25.April bis 4.Juni 2003
Reise der Lotus von Dänemark nach Javea
Freitag, 25. April
Flug von Valencia nach Hannover. Wolfgang holte mich vom
Flughafen ab, sofort fuhren wir an den Mittellandkanal wo ich mit einem Fahrlehrer 1
Std. mit einem Motorboot üben konnte. Danach nach Scharrel wo wir von Lucia, seiner Frau und Dominica, seiner Tochter empfangen wurden.
Abendessen und ab ins Bett weil mir ein harter Samstag bevorstand.
Samstag, 26. April
05:00 Tagwache, Frühstück und ab nach Hannover in eine Schule
wo die Prüfungen abgenommen wurden. Konnte nicht teilnehmen weil die Papiere
von der Segelschule Magellan aus Moraira noch nicht vor Ort waren!! (Haben wir 2
Wochen vorher geschickt). Mussten alles nochmals besorgen: Kopie Reisepass,
Führerschein, Passfotos, etc. Sind einige Stunden im Grossraum Hannover
umhergeirrt um alles zu organisieren und einen Seh-und Hörtest zu machen. Nachts um 23 Uhr hatten wir
auch diesen!!! Dies alles musste sein um am Sonntag den 4. Mai nochmals
antreten zu können.
Sonntag, 27. April
05:00 Tagwache, ab nach Hannover, Frühstück in einer Bar und
wieder in die Schule. Diesmal klappte alles, Prüfung mit 0 Fehler bestanden.
Danach fuhren wir an einen Kanal um die praktische Prüfung zu machen. Auch dies
ist gut gelaufen trotz sehr viel Seitenwind. Konnte nachher meinen
Sportbootführerschein See in Empfang nehmen. Wolfgang holte mich von der Schule
ab und wir fuhren nach Scharrel. Hier mussten wir die Prüfung ein bisschen
feiern bei 5 Grad und leichtem Regen. Bier, Wein und Grillwürste.
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Die Crew der Lotus |
Montag, 28. April
Lucia, Wolfgang und ich fuhren vollbeladen nach Flensburg.
Haben da bei Nirosta-Petersen div. Teile für die Lotus eingekauft. Weiter
gings nach Grästen, Dänemark in die Marina Fiskanaes. Die Lotus machte einen traurigen Eindruck auf
mich. Aufgebockt, hoch oben im kalten Wind, nur mit einer langen Leiter zu
besteigen.
Dienstag, 29. April bis 5. Mai
Manfred aus Hannover kam um uns zu Helfen. Ganze Woche gearbeitet wie die
Verrückten. Regen, Kälte, Nebel, eben typisch Dänemark. Einige kleine Details
was alles zu machen war: Motorlager beidseits verlängern, Motoren und
Saildrives einbauen. Alle Segel montieren, incl. Taue. Ruderblätter neu
laminieren. Alle Seeventile und Schläuche für Zu – und Abwasser ersetzen.
Abwassertank einbauen. Neues Gestell fürs Bimini schweissen. Alle Relingdrähte
ersetzten resp. reparieren. Trampolin auf Bb
ersetzten. Aussentisch montieren. Davits fertig einbauen. Ruderanlage und
Seilzüge reparieren. Neues Antifouling aufbringen,etc.
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Kranarbeiten |
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Bereit zum Kranen |
Um 7 Uhr kam der Volvo-Inspektor um die Motoren zu prüfen. (
Garantie ) Also schnell ins Wasser mit dem 50 Tonnen Autokran. Motoren i.O.
aber der Bowdenzug vom Stb Motor war gerissen, konnte also nicht geprüft
werden. Danke an unseren Spezialmonteur, der Wolfgang Weber gebracht hatte,
billiger als einer von Volvo aber letztendlich viel teurer, weil im Nachhinein
noch vieles zum Vorschein kam das er kaputtreparierte!!
Also fuhr WW sofort nach Flensburg um den Bowdenzug zu
holen. Nach dem Einbau und der letzten Prüfung machten wir die Leinen los und
fuhren ab. Um 22:00 kamen wir im Sporthafen Schilksee an und gingen vor Anker
um zu schlafen.
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Autokran vor Ort |
Mittwoch, 7. Mai
07:30 Abfahrt
Richtung Nordostseekanal. Vor der Schleuse Holtenau ist uns das Ruderseil Stb gebrochen. Also habe ich
repariert während Wolfgang mit den 2 Motoren die Lotus an einen Steg
manövrierte. Gottseidank hat das Ding 2 Motoren! Rein in die Schleuse und schon
waren wir im NOK. Bei Rendsburg haben wir aufgetankt, mit Kanistern a 20 Liter! Den
ganzen Tag im Kanal unter Motor. Abends vor der Schleuse Brunsbüttel übernachtet.
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Schleuse Holtenau |
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Schleuse Brunsbüttel |
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Überholer im NOK |
Donnerstag, 8. Mai
06:20 Ausfahrt aus der Schleuse Brunsbüttel in die Elbe.
Andreas wollte das 1. Mal das Ruder übernehmen. Ich sagte ihm den Kurs den er
steuern musste und liess ihn gewähren. Er kam ein wenig vom Kartenkurs ab. Ich
sass am Tisch als er sagte; soll ich dieses Rudel Robben vor mir links oder
rechts umfahren? Ich sprang auf und sah nach vorne, beinahe hätte mich der
Schlag getroffen. Die Robben lagen auf einer Sandbank 100 Meter vor der Lotus.
Der Tiefenmesser zeigte 1,50 Meter Tiefe!!! Ich riss das Ruder nach Bb und wir
umfuhren die Ruhestelle dieser netten Meeresbewohner. Puh, das war knapp. Weiter
ging’s vorbei an Lf (Leuchtfeuer) Borkum und Lf Terschelling.
Freitag, 9. Mai
Mussten den Hafen von Den Helder anlaufen da uns Sprit und
Wasser auszugehen drohte. Habe das 1. Mal mit der Lotus angelegt an einer hohen
Hafenmauer. Konnten Diesel und Wasser bunkern und haben in der Marina ein
kühles holländisches Bier getrunken. Um 21:30 liefen wir wieder aus und fuhren
nahe an der holländischen Küste Richtung Süden.
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Auf Spritsuche in Den Helder |
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Kriegsmarine Den Helder |
Samstag, 10. Mai
Auf der Wache morgens um 2 Uhr hatten wir ein Erlebnis der
besonderen Art. Stockdunkel, Regen, lausige Sicht und Wolfgang am Ruder (
Gottseidank ). Etwa 50 Meter vor dem Kat taucht eine losgerissene, unbeleuchtete
Markierungstonne von ca. 3 Meter Höhe und 2 Meter Durchmesser auf!! Wolfgang
traut seinen Augen nicht, haut den Autopiloten raus und reisst das Ruder herum.
Nicht auszudenken, was passiert wäre wenn wir das Ding mittschiffs getroffen
hätten. (Wahrscheinlich hätten wir die Rettungsinsel ausprobieren müssen). Auf
meiner Wache danach, bei denselben Sichtverhältnissen das nächste Erlebnis.
Zwischen Den Haag und Ostende ruft Eckhard; Ich sehe ein grosses Schiff voraus,
und die Position steht d.h. es ist immer am selben Ort. Wir denken sofort an
ein Containerschiff vor Anker, aber mitten im Meer?? Die Sicht war natürlich
schlecht. Ich weiss im ersten Moment nicht ob ich Bb oder Stb vorbei soll, bis
wir die Lichter hoch oben sehen. So hoch kann kein Schiff sein, war es auch
nicht, aber eine Ölplattform auf ihren Metallstelzen.
Sonntag, 11. Mai
Viel Grosschiffahrt am Eingang zur Strasse von Dover. Morgens in der Früh haben wir ein Fischernetz eingefangen, also Segel reffen und beidrehen.
Andreas hat sich spontan bereit erklärt zu Tauchen und die Leinen aus dem
Propeller zu schneiden. ( Lufttemperatur 6, Wassertemperatur 4 Grad ). Hat
diese Aufgabe mit Bravour gelöst, danach einen Brandy genehmigt. Danach weiter, Calais, Cap Gris, St. Valoy (Dep. Somme).
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Andreas im kühlen Wasser |
Montag, 12. Mai
Regen, Kälte, Nebel, Wind und Strom gegenan. Viele harte
Schläge aufs Vorschiff bei hohem Seegang und Gischt. Wolfgang und ich am Ruder,
der Rest der Crew im Bett. Horst ist grün im Gesicht und Seekrank. Er ruft ab
und zu „ Mama, ich will nach Hause“. Habe auch ein wenig mit Übelkeit zu
kämpfen. Nachts um 23:30 messen wir 0 Grad Lufttemperatur! Fécamp ( Seine Maritime querab ).
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Bei 6° und viel Wind |
Dienstag, 13. Mai
Ganzer Tag gegen Strom und Wind, ein fürchterliches geknalle
aufs Schiff. Gegen Abend erreichen wir den Hafen von Cherbourg, kriegen
allerdings kein Sprit und Wasser. In Frankreich haben sie Generalstreik! Jeder
ist froh, wieder einmal am Land zu sein. Eckhard und ich ziehen los in die
Stadt. Hier gibt es viel zu sehen, nette Leute, schöne Parkanlagen, alte
Gebäude etc. Wir essen in einem Lokal „Kebab“. Weil der Wirt nur die Lizenz
fürs Essen hat holt er uns ein Bier beim Nachbarn.
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Hafeneinfahrt Cherbourg |
Mittwoch, 14. Mai
Früh am Morgen Diesel und Wasser gebunkert und los gings.
Wind von vorne wie immer, aber relativ ruhige See. Vorbei an den Inseln
Alderney und Guernsey in die Biskaya.
Donnerstag, 15. Mai
Nachtwache von 01:00 bis 04:00 mit Horst. Kein Wind also mit
Motor. Am Morgen kam dann eine sehr hohe See auf uns zu, die Regen und Wind
brachte. Ausser Manfred und mir waren alle im Bett!! Da Horst Seekrank war hat
Wolfgang sein Platz eingenommen für die Nachtwache. Mussten laufend den
Autopiloten rausnehmen um den grossen Pötten auszuweichen. Verkehr wie mittags
um 12 auf der Hauptstrasse! Die Inseln „de Batz und
Quessant“ liessen wir
Backbord liegen.
Freitag, 16. Mai
Ganzer Tag im Sturm mit sehr hohen Wellen, wie immer von
vorn, dafür bei milden 3 Grad!! Zwischen Brest und Nantes mussten wir Gross –
und Genuaschoten ersetzen, waren beide angerissen. Fast die ganze Crew im Bett,
suchten alle ein trockenes und warmes Plätzchen, jedoch ohne grossen Erfolg.
Samstag, 17. Mai
La Rochelle
querab. Miese Stimmung an Bord da uns das Gas ausgegangen war !!
Alles ist Nass, Kleider, Handschuhe, Mützen, Schuhe. In der Koje nicht viel
besser. Als Entschädigung dafür nichts Warmes zu essen und trinken! Waren alle
halbtot und erschlagen. Haben in 6 Stunden 0,5 Sm vorwärts, 2 Sm seitwärts
gemacht, mit Ankern wären wir fast weitergekommen. Ankerkette wäre aber zu kurz
gewesen, haben nur 50 Meter. Laut Seekarte war’s aber über 2500 Meter tief!
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Wind,Wellen und Strom aus allen Richtungen |
Sonntag, 18. Mai
01:00 holt mich Manfred aus dem feuchten Bett. Orkanartiger
Wind und hohe Wellen. Er erklärt mir, dass der Autopilot nicht mehr geht und er
jetzt ins Bett gehe. Punkt. Also div. Versuche das Ding zu korrigieren, ohne
Erfolg. Habe dann bemerkt dass die Steuerseile zuviel Spiel hatten und konnte
das beheben. Autopilot neu programmiert und weiter gings vorbei an Bordeaux und
Arcachon. Horst immer noch Seekrank und Wolfgang auch halbwegs! Um 13 Uhr einen
Riesenknall durchs Schiff, alle kamen aus ihren Löchern nach oben. Die Traverse
zwischen Rollreffanlage und dem Beam Stb war gebrochen. Einmal geht auch das
stärkste Material zu Bruch bei dauernder Höchstbelastung! Wolfgang und Andreas
haben die beiden Rümpfe mit einem Flaschenzug zusammengehalten. Schlimme Arbeit
bei haushohen Wellen und Gischt über das Vorschiff. Konnten nur arbeiten mit
eingeklinkten Lifebelts. Hätte für einen heissen Café 50 Euro bezahlt! Um 16
Uhr riss der Zahnriemen vom Autopiloten, auch dem hat’s scheinbar gereicht.
Horst hat die ganze Koje vollgek... Schöne Aufgabe für Inge, putzen bei diesem
Seegang.
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Inge beim Aufwisch... |
Persönlicher Albtraum der Biskaya
Biskaya,
Synonym für Sturm, Schrecken, Angst und immer wieder
beschädigte
Schiffe oder Totalverlust. Warum? Stürme und Zyklone braut es an der
nordamerikanischen Küste zusammen. Kein Land hindert dazwischen die Wellen, die
bauen sich mehr und mehr auf, haben ja über 6000 Km Zeit bis sie im Golf der
Biskaya eintreffen. Dort türmen sie sich vielfach zu Grundseen auf, die Tiefe
ändert dann von einigen tausend Metern sehr schnell auf ein paar wenige. Was
draussen auf dem offenen Meer noch 2 Meter Wellen waren können dann rasch auf 8
Meter anwachsen. Wenn dann zusätzlich noch die Gezeiten anstehen kann es noch
dicker kommen, die Strömung erreicht bis 9 Knoten! Kein Wunder, dass die
Biskaya als eines der brutalsten Seegebiete auf der Welt gilt, hunderte von
Schiffen gingen schon verloren.
Nun
ja, vielleicht waren wir auch etwas früh dran, ab Juni wäre es sicher einfacher
gewesen. Kaum hatten wir Alderney und Guernsey passiert ging’s auch schon los,
Windstärke 6, schräg von vorne! Der Magen hüpft, fliegende Gischt übers Deck,
3°, saukalt, gefühlt weit unter 0°. Die ganze Crew ist ruhig, grünliche
Gesichter, niemand will mehr als nötig sprechen. Allerdings dem Schreibenden
ist es relativ wohl. Der Wind nimmt in Böen bis auf 40 Kn. zu, die Lotus
knüppelt durch die raue, harte See. Haben fast keine Tücher mehr oben, trotzdem
laufen wir 9 Kn. Weil wir dadurch weniger Gegendruck erzeugen rollt der Kat
aber heftig. Die Nacht wird noch härter, einige sind ausgefallen, die Wachen
für die Rudergänger werden noch länger. Aber trotz allem, wenn man am Steuer
ist, den Druck auf Schot und Stagen spürt, sich in das Schiff hinein fühlt, die
Verantwortung für Mensch und Material übernommen hat, irgendwie ist man doch
Stolz und beflissen die Sache gut zu machen. Der Wind fegt eisig über das Deck,
die Brecher rauschen gewaltig über das Vorschiff, die Wolkenfetzen jagen im
Schein des Mondes. Im Salon ist es von den Bewegungen her am erträglichsten,
abgesehen vom Geknalle unter dem Schiff, die Wellen schlagen hart dagegen. In
der Steuerbordkoje stinkt es gewaltig nach Diesel, irgendetwas wird undicht
sein, nein, nachschauen will ich jetzt auch nicht. Schlafen ist unmöglich, es
gurgelt und rumpelt wenn das Wasser an der Bordwand vorbeischiesst. Dann knallt
es wieder an Deck wenn die Schot auf der Winsch gefiert wird. Das ganze Schiff
zittert wenn es alle 5 Sekunden in eine der viel zu kurzen Wellen kracht. In
der Dusche schwappt das Wasser aus der Bilge, alles ist nass bis hoch zu den
Badetüchern. Einfach toll! Diese verdammte Biskaya, man flucht und die
negativen Gedanken ziehen alle noch weiter runter.
Ob
es wohl in La Coruna einen Flughafen gibt? Egal was es kostet, nur runter vom
Schiff, weg, nach Hause. Warum tu ich mir dies alles an? Der Körper fühlt sich
taub und leer an, jedes Zeitempfinden geht verloren. Nach 4 solchen Tage und
Nächten laufen wir in La Coruna ein, wieder einmal warm Duschen, einige Café
con leche und die Welt sieht wieder ganz anders aus. Nein, nein, so schlimm war
es auch nicht, man muss nicht verrückt sein, aber helfen würde es schon.
WIKIPEDIA
meint: Dieses Seegebiet ist
für schlechtes Wetter, starke Stürme und extremen Seegangbekannt.[7]
Montag, 19. Mai
04:00 Meine Wache. Sturm, Regen, Saukälte. Wollte Strom
machen mit dem Bb-Motor, wurde aber nach 2 Min heiss, musste ihn abstellen. Bei
diesem Seegang konnte ich nicht nachschauen, ausserdem kein Licht da unten,
keine Knieschoner, kein Helm. Zudem wollte ich den schönen neuen Motor nicht
vollk.... . Fuhren entlang von Bayonne, Gijon und Finisterre. Manfred musste
zur Wache antreten da Horst nicht ansprechbar war. Bei Tageslicht habe ich
festgestellt dass dem Motor ca. 5 Liter Wasser fehlt, dieses war jedoch unter
meinem Bett in der Koje!! Ursache konnte ich nicht finden, die See war zu
heftig für eine genauere Untersuchung.
Dienstag, 20. Mai
Als ich morgens aufwachte hörte ich Wolfgang fluchen. Die
Lotus laufe nur noch 3 Knoten unter Motor, das schon lange Zeit. Ich sah sofort
dass wir etwa 200 Meter hinter dem Kat etwas nachschleppten. Eine Fischerboje
mit viel Netz und Tauen! Wir befreiten uns von der Bremse, kappten die Leinen
am Ruder und siehe da, das Ding machte wieder 10 Kn Fahrt. Um die Traverse zu
rep. mussten wir zwangsläufig La Coruna anlaufen. Alle freuten sich auf warmes
Essen, Café und eine warme Dusche. Auch sahen wir seit Tagen wieder einmal die
Sonne. Am Abend liefen wir im Club Nautico ein, sofort von Bord und ein Café
con Leche an der Bar. Hauke von Barcelona stiess zu uns. Haben im Club gegessen
wie Gott in Spanien!
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Fährhafen La Coruna |
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Endlich an der Mole |
Mittwoch, 21. Mai
Den ganzen Tag wie die Wilden gearbeitet. Gebrochene
Traverse verstärkt und geschweisst, alle Beams nachgezogen, Mast neu verspannt,
den lecken Wasserboiler kurzgeschlossen damit die Koje in Zukunft trocken
bleibt. Musste auf den Mast um die Terminals zu kontrollieren und die Birne der
Dreifarbenlaterne zu ersetzen. Dabei fiel meine schöne Sonnenbrille aufs Deck,
die 20 Meter höhe hat sie nicht überlebt! Abends machten wir wieder los,
fischten aber beim Wegfahren die Mooringleine eines Nachbarbootes mit unserem
Ruder. Nochmals zurück, ausklinken der Leine und raus aus dem Hafen.
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Die Alu-Schweisser am Arbeiten |
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Urs am Masttop |
Donnerstag, 22. Mai
Herrlicher Tag, Stahlblau, kein Wind, alles unter Motor.
Wurden am Morgen von 11 Delfinen fast eine Stunde begleitet. Wie nahe Himmel
und Hölle beisammen sind erfährt man glaube ich nur auf See. Haben bei der
Insel „ Isala da Cies „ geankert ( Nahe Vigo ). Hauke tauchte nach Miesmuscheln
bis ein Guardia kam und uns erklärte dies sei ein Naturreservat. Also gabs
einen gemischten Salat. Manfred verliess uns hier. 4 Jungs aus Vigo nahmen ihn
in ihrem Offshoreboot mit in den Hafen und haben ihn sogar noch an den Bahnhof
gebracht. Man beachte, wir sind in Nordspanien, da wird Gastfreundschaft noch
gross geschrieben. Um 21:00 ging der Anker hoch und mit Passatbesegelung gings
nach Süden. Klare Nacht, wunderbare Sicht, die Milchstrasse in Längsrichtung
über uns. Sta. Monà de Oya um Mitternacht querab.
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Delfin Watching |
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Schule Delfine |
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Delfin |
Freitag, 23. Mai
Bis um 12 Uhr viel Nebel, fast keine Sicht, machten langsame
Fahrt, da kein Radar installiert ist auf der Lotus. Wiederum wurden wir von
Delfinen begleitet. Haben den Blister montiert und passierten Vila do Conde und Mira ( Portugal ). Ruhige
Nacht unter Gross und Genua.
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Vor Lissabon |
Samstag, 24. Mai
09:30
Ankunft in „Sao Martinho do Porto“. Sehr gefährliche Einfahrt, sehr
schmal, nur 3 Meter tief, viele Riffe, hohe Atlantikwellen und happig Wind. Man
kann nur über Richtfeuer den Weg finden. Mit dem Dingi alle an Land, kleines
Städtchen mit viel Charme. Sind auf den Markt und haben Fische und Gemüse
eingekauft. Am Abend fuhren wir mit Freunden von Wolfgang nach „Obidos“ zum
Essen. Alte Stadt mit intakter Ummauerung von 1630, alles steht unter
Denkmalschutz.
Sonntag, 25. Mai
Sind um 11 Uhr aus San Martinho ausgelaufen. Musste auf der
Hut sein aus diesem Nadelöhr heil herauszukommen, hohe brechende Wellen, Strom
gegen uns und Wind auf die Nase. Wolkenlos, aber bitterkalt. Vorbei an den
Islas Berlengas, Mündung des Tajo und Portugal. Guter Wind in der Nacht,
passierten Cavairo und Pinheiro da Cruz.
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Apero Inge & Horst |
Montag, 26. Mai
Wolkenlos, kein Wind. Ganzer Tag mit Motor, fürchterlich! Um
17 Uhr haben wir die SW-Ecke der Algarve umrundet. Eckhard und ich auf der
Nachtwache, leider ohne Karte, so fuhren wir nach Sicht und Gehör. Sind dann in
ein Verkehrstrennungsgebiet geraten und mussten uns gegen die Grosschiffahrt
wehren, dieser Verkehr nachts um 12, unglaublich!
Dienstag, 27. Mai
Wind hat auf E gedreht und aufgefrischt, kommen also nicht
nach Gibraltar und versuchen Cadiz anzulaufen. Haben eine Leine in den
Propeller gefangen und Wolfgang musste tauchen um zu klären. Sturm kam auf,
hohe Wellen und Gischt über das Schiff. Dann ging der Autopilot defekt (Motor
verbrannt). Musste alles von Hand steuern, natürlich wie gewohnt alles Üble von
vorne. Das kalte Wasser kam oben im Regenanzug rein und lief bei den Schuhen
wieder raus, gottseidank dauerte es nur 4 Stunden!!! Für die letzten 10 Sm
brauchten wir mehr als 4 Stunden.! Kurz vor dem Hafen fiel der Stb Motor aus,
kein Sprit mehr im Tank. So konnten wir natürlich nicht in den Hafen einlaufen
und mussten auf Reede bleiben. 23:30 fiel der Anker in einer schäumenden,
brechenden See, alle fielen halbtot ins Bett. Unruhige Nacht mit viel
Wellengang und heulendem Wind. Wolfgang und ich standen mehrmals auf um den
Anker zu überprüfen.
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Vor Cadiz |
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Happige See |
Mittwoch, 28. Mai
Immer noch tobt der Sturm. Wir hören im Radio dass in
Gibraltar die Schiffahrt eingestellt sei. Gottlob haben wir nicht versucht dort
hinein zu fahren. Wolfgang und ich fuhren mit dem Dingi von unserer Reede zum
Hafen, wie immer gegen Wellen und Wind. Die Fahrt dauerte 10 Minuten und wir
kamen klatschnass im Puerto Sherry an. Zuerst einmal Einklariert und dann 10
Liter Diesel gekauft für unseren 2. Motor, zurück zur Lotus, tropfnass, wie
gehabt. Danach haben wir den Kat an einen Schwimmsteg in den Hafen gelegt. Die
Crew hat sich schön ausgeschlafen (Obwohl Wolfgang und ich die Arbeit hatten).
Hafeninspektion von Wolfgang und mir, gefolgt von einer warmen Dusche, die
erste seit 7 Tagen! Abends gingen wir alle spazieren im nahen Santa Maria.
Kleines Dörfchen direkt am Meer, wunderschöne Architektur der einzelnen Häuser,
leider mehr als die Hälfte leerstehend. Ob es wohl mit dem rauen Klima des
Atlantiks zusammenhängt?
Donnerstag, 29. Mai
Inge, Horst, Andreas und Eckhard fuhren mit einem Mietwagen
nach Gibraltar und La Linea. Wolfgang und ich haben div. Ersatzteile eingekauft
und Wäsche gewaschen. Am Nachmittag haben wir auf Stb ein neues Netz
eingeflochten. Um Mitternacht kam die Crew zurück und Wolfgang fuhr mit dem
Mietwagen nach Alicante, Lucia,seine Frau vom Flughafen abzuholen.
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Horst hat immer was |
Freitag, 30. Mai
Habe am frühen Morgen auf Bb den Gaszug und den Bowdenzug
von der Getriebeschaltung ausgebaut, gereinigt, gefettet und neu eingebaut.
Beide Züge waren falsch verlegt worden und haben immer geklemmt! Nachmittags
habe ich das Trampolin fertiggestellt. Lucia und Wolfgang kamen um 15 Uhr an. Hafengebühr incl. Wasser und Strom 22
Euro. (Die Costa Blanca lässt grüssen, unter 50 Euro geht da nichts, excl.
versteht sich). Anker hoch um 19:30 und weg aus dem schönen Puerto Sherry. Um
21:30 begleitete uns ein Hai eine Weile! Mitternacht lag Conil querab.
Samstag, 31. Mai
Wenig Wind, fast alles mit Motor, vorbei an Tarifa und
Gibraltar. Wollten anlegen im Hafen von Malaga, beim Preis von 100 Euro haben
wir aber verzichtet. Also wieder auf Reede, draussen vor dem Hafen. Mit dem
Dingi zurück in den Hafen, alle ausser Lucia und Wolfgang, die hatten
Ankerwache. Im Hafen gingen wir in eine
Tapas-Bar und genossen Essen und Wein bis morgens um 3 Uhr, dann mussten wir
aufs Schiff, weil Eckhard langsam auf dem Zahnfleisch lief!
Sonntag, 1. Juni
Wetter wie gestern, kein Wind, ruhige See, Wolkenlos. 09:00
Ausgelaufen aus Málaga, viel unter Motor. 12:00 Vêlez Malaga, 24 :00 Roquetas de Mar querab.
Montag, 2. Juni
03:00 Aufruhr auf der Wache von Wolfgang. Ein 2 Master-
Segelboot kam direkt auf uns zu, Wolfgang musste das Manöver des letzten
Augenblickes fahren um eine Kollision zu vermeiden. Mit der Taschenlampe
konnten wir sehen dass niemand an Deck war, nur die Innenbeleuchtung brannte.
Na ja, auch Einhandsegler müssen einmal schlafen! Am Tag wieder mit fast keinem
Wind, lange Zeit mit Motor. Kamen um 17 Uhr im Hafen von Mazarron an um Sprit
und Wasser zu bunkern und stachen sofort wieder in See. Auf offenem Meer fuhr
ich mit dem Kat ganz nahe an ein Fischerboot. Wir fragten die Fischer ob sie
uns Fisch verkaufen, kaum gefragt, kam eine Kiste mit 8 grossen Fischen
geflogen. Kostenlos. Wir haben ihnen 2 Flaschen Wein übergeben. Sind am Abend
in eine stille Bucht nahe Cartagena eingelaufen und haben geankert. Horst hat
uns frischen Fisch serviert, dazu kühlen Weisswein. Einige Containerschiffe
lagen in unserer Nähe auf Reede.
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Unser Fischverkäufer |
Dienstag, 3. Juni
05:00 Wolfgang und ich machten los. Die Crew liessen wir
schlafen. Unter Genua und Motoren gings Richtung Alicante. Da wir unter
Zeitdruck standen mussten wir uns beeilen damit die Gäste an Bord ihren Flug
nicht verpassten. 15:00 machten wir an der Tankstelle im Club Nautico von
Alicante fest. Vor uns eine brandneue Catana 581, die der Eigner soeben in
Canet sur Mer abgeholt hatte. Blutjunger Amerikaner! Nicht alle können reich
sein, somit haben wir uns den Kat halt nur angesehen. Unsere Gäste gingen von
Bord und Wolfgang und ich machten wieder los. Um 21:30 gingen wir an der Playa
von Calpe vor Anker. Wolfgang machte Spaghetti, dazu eine Flasche Rotwein und
um 23:30 war Ruhe auf dem Schiff.
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Abend in Cartagena |
Mittwoch, 4. Juni
Anker hoch und ab nach Jàvea, wo wir um 11:45 ankamen. Das
letzte Mal den Anker runter, direkt vor der Hafenmauer. Endlich Zuhause.
Letzter Eintrag im Logbuch:
Wolkenlos, Barometer 1006, Temperatur 31 Grad, Reede Hafen
Javea,
38° 47,6’ Nord & 000° 11,0’ Ost, 2457 Seemeilen, 4550
Kilometer.