Freitag, 24. Mai 2019

Segeln "Lotus" 2003




                   

      25.April bis 4.Juni 2003
      Reise der Lotus von Dänemark nach Javea

              


Freitag, 25. April



Flug von Valencia nach Hannover. Wolfgang holte mich vom Flughafen ab, sofort fuhren wir an den Mittellandkanal wo ich mit einem Fahrlehrer 1 Std. mit einem Motorboot üben konnte. Danach nach Scharrel  wo wir von Lucia, seiner Frau  und Dominica, seiner Tochter empfangen wurden. Abendessen und ab ins Bett weil mir ein harter Samstag bevorstand.





Samstag, 26. April



05:00 Tagwache, Frühstück und ab nach Hannover in eine Schule wo die Prüfungen abgenommen wurden. Konnte nicht teilnehmen weil die Papiere von der Segelschule Magellan aus Moraira noch nicht vor Ort waren!! (Haben wir 2 Wochen vorher geschickt). Mussten alles nochmals besorgen: Kopie Reisepass, Führerschein, Passfotos, etc. Sind einige Stunden im Grossraum Hannover umhergeirrt um alles zu organisieren und einen Seh-und Hörtest zu machen. Nachts um 23 Uhr hatten wir auch diesen!!! Dies alles musste sein um am Sonntag den 4. Mai nochmals antreten zu können.


 Sonntag, 27. April


05:00 Tagwache, ab nach Hannover, Frühstück in einer Bar und wieder in die Schule. Diesmal klappte alles, Prüfung mit 0 Fehler bestanden. Danach fuhren wir an einen Kanal um die praktische Prüfung zu machen. Auch dies ist gut gelaufen trotz sehr viel Seitenwind. Konnte nachher meinen Sportbootführerschein See in Empfang nehmen. Wolfgang holte mich von der Schule ab und wir fuhren nach Scharrel. Hier mussten wir die Prüfung ein bisschen feiern bei 5 Grad und leichtem Regen. Bier, Wein und Grillwürste.


Die Crew der Lotus

Montag, 28. April


Lucia, Wolfgang und ich fuhren vollbeladen nach Flensburg. Haben da bei Nirosta-Petersen div. Teile für die Lotus eingekauft. Weiter gings nach Grästen, Dänemark in die Marina Fiskanaes. Die Lotus machte einen traurigen Eindruck auf mich. Aufgebockt, hoch oben im kalten Wind, nur mit einer langen Leiter zu besteigen. 


 

Die Lotus noch an Land

 Dienstag, 29. April bis 5. Mai


Manfred aus Hannover kam um uns zu Helfen. Ganze Woche gearbeitet wie die Verrückten. Regen, Kälte, Nebel, eben typisch Dänemark. Einige kleine Details was alles zu machen war: Motorlager beidseits verlängern, Motoren und Saildrives einbauen. Alle Segel montieren, incl. Taue. Ruderblätter neu laminieren. Alle Seeventile und Schläuche für Zu – und Abwasser ersetzen. Abwassertank einbauen. Neues Gestell fürs Bimini schweissen. Alle Relingdrähte ersetzten resp. reparieren. Trampolin auf Bb  ersetzten. Aussentisch montieren. Davits fertig einbauen. Ruderanlage und Seilzüge reparieren. Neues Antifouling aufbringen,etc.


Kranarbeiten







Bereit zum Kranen


Dienstag, 6. Mai


Um 7 Uhr kam der Volvo-Inspektor um die Motoren zu prüfen. ( Garantie ) Also schnell ins Wasser mit dem 50 Tonnen Autokran. Motoren i.O. aber der Bowdenzug vom Stb Motor war gerissen, konnte also nicht geprüft werden. Danke an unseren Spezialmonteur, der Wolfgang Weber gebracht hatte, billiger als einer von Volvo aber letztendlich viel teurer, weil im Nachhinein noch vieles zum Vorschein kam das er kaputtreparierte!!

Also fuhr WW sofort nach Flensburg um den Bowdenzug zu holen. Nach dem Einbau und der letzten Prüfung machten wir die Leinen los und fuhren ab. Um 22:00 kamen wir im Sporthafen Schilksee an und gingen vor Anker um zu schlafen.


Autokran vor Ort




 

Einwassern

Einwassern



Mittwoch, 7. Mai



07:30 Abfahrt  Richtung Nordostseekanal. Vor der Schleuse Holtenau ist uns das  Ruderseil Stb gebrochen. Also habe ich repariert während Wolfgang mit den 2 Motoren die Lotus an einen Steg manövrierte. Gottseidank hat das Ding 2 Motoren! Rein in die Schleuse und schon waren wir im NOK. Bei Rendsburg haben wir aufgetankt, mit Kanistern a 20 Liter! Den ganzen Tag im Kanal unter Motor. Abends vor der Schleuse Brunsbüttel übernachtet.


Schleuse Holtenau






Schleuse Brunsbüttel

Überholer im NOK


  
Donnerstag, 8. Mai


06:20 Ausfahrt aus der Schleuse Brunsbüttel in die Elbe. Andreas wollte das 1. Mal das Ruder übernehmen. Ich sagte ihm den Kurs den er steuern musste und liess ihn gewähren. Er kam ein wenig vom Kartenkurs ab. Ich sass am Tisch als er sagte; soll ich dieses Rudel Robben vor mir links oder rechts umfahren? Ich sprang auf und sah nach vorne, beinahe hätte mich der Schlag getroffen. Die Robben lagen auf einer Sandbank 100 Meter vor der Lotus. Der Tiefenmesser zeigte 1,50 Meter Tiefe!!! Ich riss das Ruder nach Bb und wir umfuhren die Ruhestelle dieser netten Meeresbewohner. Puh, das war knapp. Weiter ging’s vorbei an Lf (Leuchtfeuer) Borkum und Lf Terschelling.




Freitag, 9. Mai



Mussten den Hafen von Den Helder anlaufen da uns Sprit und Wasser auszugehen drohte. Habe das 1. Mal mit der Lotus angelegt an einer hohen Hafenmauer. Konnten Diesel und Wasser bunkern und haben in der Marina ein kühles holländisches Bier getrunken. Um 21:30 liefen wir wieder aus und fuhren nahe an der holländischen Küste Richtung Süden.


 

Auf Spritsuche in Den Helder

Kriegsmarine Den Helder

  
 Samstag, 10. Mai


Auf der Wache morgens um 2 Uhr hatten wir ein Erlebnis der besonderen Art. Stockdunkel, Regen, lausige Sicht und Wolfgang am Ruder ( Gottseidank ). Etwa 50 Meter vor dem Kat taucht eine losgerissene, unbeleuchtete Markierungstonne von ca. 3 Meter Höhe und 2 Meter Durchmesser auf!! Wolfgang traut seinen Augen nicht, haut den Autopiloten raus und reisst das Ruder herum. Nicht auszudenken, was passiert wäre wenn wir das Ding mittschiffs getroffen hätten. (Wahrscheinlich hätten wir die Rettungsinsel ausprobieren müssen). Auf meiner Wache danach, bei denselben Sichtverhältnissen das nächste Erlebnis. Zwischen Den Haag und Ostende ruft Eckhard; Ich sehe ein grosses Schiff voraus, und die Position steht d.h. es ist immer am selben Ort. Wir denken sofort an ein Containerschiff vor Anker, aber mitten im Meer?? Die Sicht war natürlich schlecht. Ich weiss im ersten Moment nicht ob ich Bb oder Stb vorbei soll, bis wir die Lichter hoch oben sehen. So hoch kann kein Schiff sein, war es auch nicht, aber eine Ölplattform auf ihren Metallstelzen.



Sonntag, 11. Mai



Viel Grosschiffahrt am Eingang zur Strasse von Dover. Morgens in der Früh haben wir ein Fischernetz eingefangen, also Segel reffen und beidrehen. Andreas hat sich spontan bereit erklärt zu Tauchen und die Leinen aus dem Propeller zu schneiden. ( Lufttemperatur 6, Wassertemperatur 4 Grad ). Hat diese Aufgabe mit Bravour gelöst, danach einen Brandy genehmigt. Danach weiter, Calais, Cap Gris, St. Valoy (Dep. Somme).


 

Andreas im kühlen Wasser



Montag, 12. Mai


Regen, Kälte, Nebel, Wind und Strom gegenan. Viele harte Schläge aufs Vorschiff bei hohem Seegang und Gischt. Wolfgang und ich am Ruder, der Rest der Crew im Bett. Horst ist grün im Gesicht und Seekrank. Er ruft ab und zu „ Mama, ich will nach Hause“. Habe auch ein wenig mit Übelkeit zu kämpfen. Nachts um 23:30 messen wir 0 Grad Lufttemperatur! Fécamp ( Seine Maritime querab ).

Bei 6° und viel Wind


Dienstag, 13. Mai



Ganzer Tag gegen Strom und Wind, ein fürchterliches geknalle aufs Schiff. Gegen Abend erreichen wir den Hafen von Cherbourg, kriegen allerdings kein Sprit und Wasser. In Frankreich haben sie Generalstreik! Jeder ist froh, wieder einmal am Land zu sein. Eckhard und ich ziehen los in die Stadt. Hier gibt es viel zu sehen, nette Leute, schöne Parkanlagen, alte Gebäude etc. Wir essen in einem Lokal „Kebab“. Weil der Wirt nur die Lizenz fürs Essen hat holt er uns ein Bier beim Nachbarn.
 

Hafeneinfahrt Cherbourg


 Mittwoch, 14. Mai


Früh am Morgen Diesel und Wasser gebunkert und los gings. Wind von vorne wie immer, aber relativ ruhige See. Vorbei an den Inseln Alderney und Guernsey in die Biskaya.





Donnerstag, 15. Mai



Nachtwache von 01:00 bis 04:00 mit Horst. Kein Wind also mit Motor. Am Morgen kam dann eine sehr hohe See auf uns zu, die Regen und Wind brachte. Ausser Manfred und mir waren alle im Bett!! Da Horst Seekrank war hat Wolfgang sein Platz eingenommen für die Nachtwache. Mussten laufend den Autopiloten rausnehmen um den grossen Pötten auszuweichen. Verkehr wie mittags um 12 auf der Hauptstrasse! Die Inseln „de Batz und 
Quessant“ liessen wir Backbord liegen.



Freitag, 16. Mai



Ganzer Tag im Sturm mit sehr hohen Wellen, wie immer von vorn, dafür bei milden 3 Grad!! Zwischen Brest und Nantes mussten wir Gross – und Genuaschoten ersetzen, waren beide angerissen. Fast die ganze Crew im Bett, suchten alle ein trockenes und warmes Plätzchen, jedoch ohne grossen Erfolg.





Samstag, 17. Mai



La Rochelle querab. Miese Stimmung an Bord da uns das Gas ausgegangen war !! Alles ist Nass, Kleider, Handschuhe, Mützen, Schuhe. In der Koje nicht viel besser. Als Entschädigung dafür nichts Warmes zu essen und trinken! Waren alle halbtot und erschlagen. Haben in 6 Stunden 0,5 Sm vorwärts, 2 Sm seitwärts gemacht, mit Ankern wären wir fast weitergekommen. Ankerkette wäre aber zu kurz gewesen, haben nur 50 Meter. Laut Seekarte war’s aber über 2500 Meter tief!


 

Wind,Wellen und Strom aus allen Richtungen



Sonntag, 18. Mai


01:00 holt mich Manfred aus dem feuchten Bett. Orkanartiger Wind und hohe Wellen. Er erklärt mir, dass der Autopilot nicht mehr geht und er jetzt ins Bett gehe. Punkt. Also div. Versuche das Ding zu korrigieren, ohne Erfolg. Habe dann bemerkt dass die Steuerseile zuviel Spiel hatten und konnte das beheben. Autopilot neu programmiert und weiter gings vorbei an Bordeaux und Arcachon. Horst immer noch Seekrank und Wolfgang auch halbwegs! Um 13 Uhr einen Riesenknall durchs Schiff, alle kamen aus ihren Löchern nach oben. Die Traverse zwischen Rollreffanlage und dem Beam Stb war gebrochen. Einmal geht auch das stärkste Material zu Bruch bei dauernder Höchstbelastung! Wolfgang und Andreas haben die beiden Rümpfe mit einem Flaschenzug zusammengehalten. Schlimme Arbeit bei haushohen Wellen und Gischt über das Vorschiff. Konnten nur arbeiten mit eingeklinkten Lifebelts. Hätte für einen heissen Café 50 Euro bezahlt! Um 16 Uhr riss der Zahnriemen vom Autopiloten, auch dem hat’s scheinbar gereicht. Horst hat die ganze Koje vollgek... Schöne Aufgabe für Inge, putzen bei diesem Seegang.


Inge beim Aufwisch...



Persönlicher Albtraum der Biskaya

Biskaya, Synonym für Sturm, Schrecken, Angst und immer wieder
beschädigte Schiffe oder Totalverlust. Warum? Stürme und Zyklone braut es an der nordamerikanischen Küste zusammen. Kein Land hindert dazwischen die Wellen, die bauen sich mehr und mehr auf, haben ja über 6000 Km Zeit bis sie im Golf der Biskaya eintreffen. Dort türmen sie sich vielfach zu Grundseen auf, die Tiefe ändert dann von einigen tausend Metern sehr schnell auf ein paar wenige. Was draussen auf dem offenen Meer noch 2 Meter Wellen waren können dann rasch auf 8 Meter anwachsen. Wenn dann zusätzlich noch die Gezeiten anstehen kann es noch dicker kommen, die Strömung erreicht bis 9 Knoten! Kein Wunder, dass die Biskaya als eines der brutalsten Seegebiete auf der Welt gilt, hunderte von Schiffen gingen schon verloren.

Nun ja, vielleicht waren wir auch etwas früh dran, ab Juni wäre es sicher einfacher gewesen. Kaum hatten wir Alderney und Guernsey passiert ging’s auch schon los, Windstärke 6, schräg von vorne! Der Magen hüpft, fliegende Gischt übers Deck, 3°, saukalt, gefühlt weit unter 0°. Die ganze Crew ist ruhig, grünliche Gesichter, niemand will mehr als nötig sprechen. Allerdings dem Schreibenden ist es relativ wohl. Der Wind nimmt in Böen bis auf 40 Kn. zu, die Lotus knüppelt durch die raue, harte See. Haben fast keine Tücher mehr oben, trotzdem laufen wir 9 Kn. Weil wir dadurch weniger Gegendruck erzeugen rollt der Kat aber heftig. Die Nacht wird noch härter, einige sind ausgefallen, die Wachen für die Rudergänger werden noch länger. Aber trotz allem, wenn man am Steuer ist, den Druck auf Schot und Stagen spürt, sich in das Schiff hinein fühlt, die Verantwortung für Mensch und Material übernommen hat, irgendwie ist man doch Stolz und beflissen die Sache gut zu machen. Der Wind fegt eisig über das Deck, die Brecher rauschen gewaltig über das Vorschiff, die Wolkenfetzen jagen im Schein des Mondes. Im Salon ist es von den Bewegungen her am erträglichsten, abgesehen vom Geknalle unter dem Schiff, die Wellen schlagen hart dagegen. In der Steuerbordkoje stinkt es gewaltig nach Diesel, irgendetwas wird undicht sein, nein, nachschauen will ich jetzt auch nicht. Schlafen ist unmöglich, es gurgelt und rumpelt wenn das Wasser an der Bordwand vorbeischiesst. Dann knallt es wieder an Deck wenn die Schot auf der Winsch gefiert wird. Das ganze Schiff zittert wenn es alle 5 Sekunden in eine der viel zu kurzen Wellen kracht. In der Dusche schwappt das Wasser aus der Bilge, alles ist nass bis hoch zu den Badetüchern. Einfach toll! Diese verdammte Biskaya, man flucht und die negativen Gedanken ziehen alle noch weiter runter.
Ob es wohl in La Coruna einen Flughafen gibt? Egal was es kostet, nur runter vom Schiff, weg, nach Hause. Warum tu ich mir dies alles an? Der Körper fühlt sich taub und leer an, jedes Zeitempfinden geht verloren. Nach 4 solchen Tage und Nächten laufen wir in La Coruna ein, wieder einmal warm Duschen, einige Café con leche und die Welt sieht wieder ganz anders aus. Nein, nein, so schlimm war es auch nicht, man muss nicht verrückt sein, aber helfen würde es schon.

WIKIPEDIA meint: Dieses Seegebiet ist für schlechtes Wetter, starke Stürme und extremen Seegangbekannt.[7]




Montag, 19. Mai



04:00 Meine Wache. Sturm, Regen, Saukälte. Wollte Strom machen mit dem Bb-Motor, wurde aber nach 2 Min heiss, musste ihn abstellen. Bei diesem Seegang konnte ich nicht nachschauen, ausserdem kein Licht da unten, keine Knieschoner, kein Helm. Zudem wollte ich den schönen neuen Motor nicht vollk.... . Fuhren entlang von Bayonne, Gijon und Finisterre. Manfred musste zur Wache antreten da Horst nicht ansprechbar war. Bei Tageslicht habe ich festgestellt dass dem Motor ca. 5 Liter Wasser fehlt, dieses war jedoch unter meinem Bett in der Koje!! Ursache konnte ich nicht finden, die See war zu heftig für eine genauere Untersuchung.






Dienstag, 20. Mai



Als ich morgens aufwachte hörte ich Wolfgang fluchen. Die Lotus laufe nur noch 3 Knoten unter Motor, das schon lange Zeit. Ich sah sofort dass wir etwa 200 Meter hinter dem Kat etwas nachschleppten. Eine Fischerboje mit viel Netz und Tauen! Wir befreiten uns von der Bremse, kappten die Leinen am Ruder und siehe da, das Ding machte wieder 10 Kn Fahrt. Um die Traverse zu rep. mussten wir zwangsläufig La Coruna anlaufen. Alle freuten sich auf warmes Essen, Café und eine warme Dusche. Auch sahen wir seit Tagen wieder einmal die Sonne. Am Abend liefen wir im Club Nautico ein, sofort von Bord und ein Café con Leche an der Bar. Hauke von Barcelona stiess zu uns. Haben im Club gegessen wie Gott in Spanien!


Fährhafen La Coruna



Endlich an der Mole



Mittwoch, 21. Mai


Den ganzen Tag wie die Wilden gearbeitet. Gebrochene Traverse verstärkt und geschweisst, alle Beams nachgezogen, Mast neu verspannt, den lecken Wasserboiler kurzgeschlossen damit die Koje in Zukunft trocken bleibt. Musste auf den Mast um die Terminals zu kontrollieren und die Birne der Dreifarbenlaterne zu ersetzen. Dabei fiel meine schöne Sonnenbrille aufs Deck, die 20 Meter höhe hat sie nicht überlebt! Abends machten wir wieder los, fischten aber beim Wegfahren die Mooringleine eines Nachbarbootes mit unserem Ruder. Nochmals zurück, ausklinken der Leine und raus aus dem Hafen.


Die Alu-Schweisser am Arbeiten



Urs am Masttop




Donnerstag, 22. Mai



Herrlicher Tag, Stahlblau, kein Wind, alles unter Motor. Wurden am Morgen von 11 Delfinen fast eine Stunde begleitet. Wie nahe Himmel und Hölle beisammen sind erfährt man glaube ich nur auf See. Haben bei der Insel „ Isala da Cies „ geankert ( Nahe Vigo ). Hauke tauchte nach Miesmuscheln bis ein Guardia kam und uns erklärte dies sei ein Naturreservat. Also gabs einen gemischten Salat. Manfred verliess uns hier. 4 Jungs aus Vigo nahmen ihn in ihrem Offshoreboot mit in den Hafen und haben ihn sogar noch an den Bahnhof gebracht. Man beachte, wir sind in Nordspanien, da wird Gastfreundschaft noch gross geschrieben. Um 21:00 ging der Anker hoch und mit Passatbesegelung gings nach Süden. Klare Nacht, wunderbare Sicht, die Milchstrasse in Längsrichtung über uns. Sta. Monà de Oya um Mitternacht querab.


Delfin Watching


Schule Delfine




Delfin


Freitag, 23. Mai


Bis um 12 Uhr viel Nebel, fast keine Sicht, machten langsame Fahrt, da kein Radar installiert ist auf der Lotus. Wiederum wurden wir von Delfinen begleitet. Haben den Blister montiert und passierten  Vila do Conde und Mira ( Portugal ). Ruhige Nacht unter Gross und Genua.





Vor Lissabon




Samstag, 24. Mai


09:30 Ankunft in „Sao Martinho do Porto“. Sehr gefährliche Einfahrt, sehr schmal, nur 3 Meter tief, viele Riffe, hohe Atlantikwellen und happig Wind. Man kann nur über Richtfeuer den Weg finden. Mit dem Dingi alle an Land, kleines Städtchen mit viel Charme. Sind auf den Markt und haben Fische und Gemüse eingekauft. Am Abend fuhren wir mit Freunden von Wolfgang nach „Obidos“ zum Essen. Alte Stadt mit intakter Ummauerung von 1630, alles steht unter Denkmalschutz.


Sonntag, 25. Mai



Sind um 11 Uhr aus San Martinho ausgelaufen. Musste auf der Hut sein aus diesem Nadelöhr heil herauszukommen, hohe brechende Wellen, Strom gegen uns und Wind auf die Nase. Wolkenlos, aber bitterkalt. Vorbei an den Islas Berlengas, Mündung des Tajo und Portugal. Guter Wind in der Nacht, passierten Cavairo und Pinheiro da Cruz.


Apero Inge & Horst



Montag, 26. Mai


Wolkenlos, kein Wind. Ganzer Tag mit Motor, fürchterlich! Um 17 Uhr haben wir die SW-Ecke der Algarve umrundet. Eckhard und ich auf der Nachtwache, leider ohne Karte, so fuhren wir nach Sicht und Gehör. Sind dann in ein Verkehrstrennungsgebiet geraten und mussten uns gegen die Grosschiffahrt wehren, dieser Verkehr nachts um 12, unglaublich!





Dienstag, 27. Mai



Wind hat auf E gedreht und aufgefrischt, kommen also nicht nach Gibraltar und versuchen Cadiz anzulaufen. Haben eine Leine in den Propeller gefangen und Wolfgang musste tauchen um zu klären. Sturm kam auf, hohe Wellen und Gischt über das Schiff. Dann ging der Autopilot defekt (Motor verbrannt). Musste alles von Hand steuern, natürlich wie gewohnt alles Üble von vorne. Das kalte Wasser kam oben im Regenanzug rein und lief bei den Schuhen wieder raus, gottseidank dauerte es nur 4 Stunden!!! Für die letzten 10 Sm brauchten wir mehr als 4 Stunden.! Kurz vor dem Hafen fiel der Stb Motor aus, kein Sprit mehr im Tank. So konnten wir natürlich nicht in den Hafen einlaufen und mussten auf Reede bleiben. 23:30 fiel der Anker in einer schäumenden, brechenden See, alle fielen halbtot ins Bett. Unruhige Nacht mit viel Wellengang und heulendem Wind. Wolfgang und ich standen mehrmals auf um den Anker zu überprüfen.


Vor Cadiz


Happige See




Mittwoch, 28. Mai


Immer noch tobt der Sturm. Wir hören im Radio dass in Gibraltar die Schiffahrt eingestellt sei. Gottlob haben wir nicht versucht dort hinein zu fahren. Wolfgang und ich fuhren mit dem Dingi von unserer Reede zum Hafen, wie immer gegen Wellen und Wind. Die Fahrt dauerte 10 Minuten und wir kamen klatschnass im Puerto Sherry an. Zuerst einmal Einklariert und dann 10 Liter Diesel gekauft für unseren 2. Motor, zurück zur Lotus, tropfnass, wie gehabt. Danach haben wir den Kat an einen Schwimmsteg in den Hafen gelegt. Die Crew hat sich schön ausgeschlafen (Obwohl Wolfgang und ich die Arbeit hatten). Hafeninspektion von Wolfgang und mir, gefolgt von einer warmen Dusche, die erste seit 7 Tagen! Abends gingen wir alle spazieren im nahen Santa Maria. Kleines Dörfchen direkt am Meer, wunderschöne Architektur der einzelnen Häuser, leider mehr als die Hälfte leerstehend. Ob es wohl mit dem rauen Klima des Atlantiks zusammenhängt?




Donnerstag, 29. Mai



Inge, Horst, Andreas und Eckhard fuhren mit einem Mietwagen nach Gibraltar und La Linea. Wolfgang und ich haben div. Ersatzteile eingekauft und Wäsche gewaschen. Am Nachmittag haben wir auf Stb ein neues Netz eingeflochten. Um Mitternacht kam die Crew zurück und Wolfgang fuhr mit dem Mietwagen nach Alicante, Lucia,seine Frau vom Flughafen abzuholen.


Horst hat immer was

 

Freitag, 30. Mai


Habe am frühen Morgen auf Bb den Gaszug und den Bowdenzug von der Getriebeschaltung ausgebaut, gereinigt, gefettet und neu eingebaut. Beide Züge waren falsch verlegt worden und haben immer geklemmt! Nachmittags habe ich das Trampolin fertiggestellt. Lucia und Wolfgang kamen um 15 Uhr  an. Hafengebühr incl. Wasser und Strom 22 Euro. (Die Costa Blanca lässt grüssen, unter 50 Euro geht da nichts, excl. versteht sich). Anker hoch um 19:30 und weg aus dem schönen Puerto Sherry. Um 21:30 begleitete uns ein Hai eine Weile! Mitternacht lag Conil querab.





Samstag, 31. Mai



Wenig Wind, fast alles mit Motor, vorbei an Tarifa und Gibraltar. Wollten anlegen im Hafen von Malaga, beim Preis von 100 Euro haben wir aber verzichtet. Also wieder auf Reede, draussen vor dem Hafen. Mit dem Dingi zurück in den Hafen, alle ausser Lucia und Wolfgang, die hatten Ankerwache. Im Hafen  gingen wir in eine Tapas-Bar und genossen Essen und Wein bis morgens um 3 Uhr, dann mussten wir aufs Schiff, weil Eckhard langsam auf dem Zahnfleisch lief!



Sonntag, 1. Juni



Wetter wie gestern, kein Wind, ruhige See, Wolkenlos. 09:00 Ausgelaufen aus Málaga, viel unter Motor. 12:00 Vêlez Malaga, 24 :00 Roquetas de Mar querab.



 Montag, 2. Juni



03:00 Aufruhr auf der Wache von Wolfgang. Ein 2 Master- Segelboot kam direkt auf uns zu, Wolfgang musste das Manöver des letzten Augenblickes fahren um eine Kollision zu vermeiden. Mit der Taschenlampe konnten wir sehen dass niemand an Deck war, nur die Innenbeleuchtung brannte. Na ja, auch Einhandsegler müssen einmal schlafen! Am Tag wieder mit fast keinem Wind, lange Zeit mit Motor. Kamen um 17 Uhr im Hafen von Mazarron an um Sprit und Wasser zu bunkern und stachen sofort wieder in See. Auf offenem Meer fuhr ich mit dem Kat ganz nahe an ein Fischerboot. Wir fragten die Fischer ob sie uns Fisch verkaufen, kaum gefragt, kam eine Kiste mit 8 grossen Fischen geflogen. Kostenlos. Wir haben ihnen 2 Flaschen Wein übergeben. Sind am Abend in eine stille Bucht nahe Cartagena eingelaufen und haben geankert. Horst hat uns frischen Fisch serviert, dazu kühlen Weisswein. Einige Containerschiffe lagen in unserer Nähe auf Reede.


Unser Fischverkäufer

 
Dienstag, 3. Juni


05:00 Wolfgang und ich machten los. Die Crew liessen wir schlafen. Unter Genua und Motoren gings Richtung Alicante. Da wir unter Zeitdruck standen mussten wir uns beeilen damit die Gäste an Bord ihren Flug nicht verpassten. 15:00 machten wir an der Tankstelle im Club Nautico von Alicante fest. Vor uns eine brandneue Catana 581, die der Eigner soeben in Canet sur Mer abgeholt hatte. Blutjunger Amerikaner! Nicht alle können reich sein, somit haben wir uns den Kat halt nur angesehen. Unsere Gäste gingen von Bord und Wolfgang und ich machten wieder los. Um 21:30 gingen wir an der Playa von Calpe vor Anker. Wolfgang machte Spaghetti, dazu eine Flasche Rotwein und um 23:30 war Ruhe auf dem Schiff.

Abend in Cartagena


  
Mittwoch, 4. Juni


Anker hoch und ab nach Jàvea, wo wir um 11:45 ankamen. Das letzte Mal den Anker runter, direkt vor der Hafenmauer. Endlich Zuhause. Letzter Eintrag im Logbuch:

Wolkenlos, Barometer 1006, Temperatur 31 Grad, Reede Hafen Javea,

38° 47,6’ Nord & 000° 11,0’ Ost, 2457 Seemeilen, 4550 Kilometer.